Jeder Euro ist eine Stimme:
Unternehmerinnen unterstützen: 10 konkrete Wege, die mehr bewirken als jede Kampagne

von Kornelia Exner · 14.09.2026

Kurz gesagt: Über Gleichberechtigung wird viel geredet. Entschieden wird sie an einer Stelle, über die kaum jemand spricht: beim Bezahlen. Wer frauengeführte Unternehmen gezielt beauftragt, pünktlich zahlt, Namen weitergibt und Bewertungen schreibt, verschiebt mehr als jede Kampagne. Der größte Hebel liegt dabei nicht im Einkaufskorb, sondern bei den Betriebsausgaben.

Warum Kaufentscheidungen der stärkste Hebel sind

Während wir auf gerechtere Strukturen warten, gibt es eine Macht, die längst in unseren Händen liegt. Untersuchungen gehen seit Jahren davon aus, dass ein Großteil aller Konsumentscheidungen von Frauen getroffen oder maßgeblich beeinflusst wird — bei Wohnen, Einrichtung und Urlaub besonders deutlich. Wir entscheiden also längst mit. Nur eben oft, ohne es als Entscheidung zu behandeln.

Wie bitter das ist, zeigt der Blick darauf, wo das große Geld nicht hinfließt. Laut dem Startup-Barometer von EY-Parthenon flossen 2025 insgesamt 7,8 Milliarden Euro Risikokapital in deutsche Startups. An Unternehmen mit ausschließlich weiblichen Gründungsteams gingen davon 53 Millionen Euro — rund ein Prozent. Rein männliche Teams vereinten 94 Prozent des Kapitals auf sich. Und die Lücke beginnt noch früher: Von 660 finanzierten Startups mit bekanntem Gründungsteam waren ganze 21 rein weiblich gegründet.

Jetzt der ehrliche Einwand, den man an dieser Stelle mitdenken muss: Die meisten von uns wollten nie Risikokapital. Eine Steuerberaterin, eine Fotografin, eine Handwerkerin taucht in dieser Statistik gar nicht auf. Aber die Zahl zeigt etwas, das für uns alle gilt: Wie Geld verteilt wird, wenn niemand hinschaut. Bei Aufträgen passiert genau dasselbe — nur unsichtbarer, weil es darüber keine Studie gibt.

Daraus folgt eine einfache Rechnung. Wenn das Kapital nicht kommt, muss der Umsatz kommen. Umsatz ist ohnehin die unabhängigste Finanzierung, die es gibt: Niemand redet dabei mit, niemand fordert Anteile. Und Umsatz entsteht dort, wo wir einkaufen.

Der größte Hebel ist nicht der Einkaufskorb

Ein Denkfehler, der oft passiert: Wir denken bei „bewusst kaufen“ an Konsum — Mode, Kosmetik, Geschenke.

Der wirksamste Hebel liegt woanders: bei den Betriebsausgaben.

Jede Selbstständige vergibt jedes Jahr Aufträge. Steuerberatung, Buchhaltung, Webdesign, Fotografie, Text, Übersetzung, Reinigung, Catering, Druck, Coaching, IT, Versicherung, Handwerk. Das sind keine 20-Euro-Geschenke. Das sind vierstellige Summen — planbar, wiederkehrend, rechnungsfähig.

Wenn nur ein Teil dieser Aufträge bewusst an Unternehmerinnen geht, verschiebt das mehr als jede Kampagne.

Die 500-Euro-Regel für den Anfang: Bei jeder Vergabe ab 500 Euro mindestens ein Angebot von einem frauengeführten Betrieb einholen. Nicht aus Prinzip beauftragen — aber wenigstens anfragen. Was nicht angefragt wird, kann nicht gewinnen.

Woran erkenne ich frauengeführte Unternehmen?

Nicht am Logo. Sondern in dreißig Sekunden:

  • Impressum lesen. Wer ist Inhaberin, wer ist Geschäftsführung? Das steht dort in der Regel. (Nicht immer: Bei einer GmbH sind die Eigentümerinnen nicht impressumspflichtig.)
  • Team-Seite prüfen. Nicht nur: Sind Frauen dabei? Sondern: Sind sie in Leitungsfunktionen — oder nur im Empfang und in der Buchhaltung?
  • Einfach fragen. „Wer trifft bei Ihnen die Entscheidungen?“ ist eine völlig normale Frage an einen Geschäftspartner. Die Reaktion darauf sagt oft mehr als die Antwort.
  • Verzeichnisse nutzen. Netzwerke von Unternehmerinnen, die Arbeitskreise der IHK, die Anlaufstellen der bundesweiten gründerinnenagentur (bga) in allen 16 Bundesländern — und Plattformen wie WiBnet.org, wo Unternehmerinnen mit Namen, Thema und Website stehen.

👉 Hier geht es zur Expertinnen-Übersicht auf WiBnet.org — nutze sie als Einkaufsliste.

Woran erkenne ich gelebte Gleichberechtigung — auch dort, wo ein Mann die Firma führt?

  • Frauen in Führung, nicht nur in der Belegschaft
  • Führung in Teilzeit ist möglich (der ehrlichste Indikator überhaupt)
  • Väter gehen dort länger als zwei Monate in Elternzeit — und es ist kein Drama
  • Über Gehälter darf gesprochen werden
  • Auf Firmenveranstaltungen sprechen nicht nur Männer

Das sind keine Marketingfragen. Das sind Fragen, die man beim ersten Termin stellen kann. Und wer sie nicht beantworten mag, hat sie damit beantwortet.

10 Wege, Unternehmerinnen konkret zu unterstützen

1. Zahl pünktlich

Unternehmerinnen unterstützen. So funktioniert's

Der am meisten unterschätzte Solidaritätsakt überhaupt. Kleine Unternehmen sterben nicht an fehlenden Aufträgen, sondern an fehlender Liquidität. Eine Rechnung sofort zu begleichen, ist konkreter als jedes Statement zum Weltfrauentag.

2. Handle den Preis nicht runter

„Du bist doch eine Kollegin“ ist kein Rabattgrund. Wer bei Frauen selbstverständlicher feilscht als bei Männern, verstärkt genau die Lücke, über die wir uns beschweren.

3. Erwarte keinen Freundschaftspreis

Und wenn du selbst anbietest: gib keinen. Netzwerk heißt gegenseitig beauftragen, nicht gegenseitig verschenken.

4. Schreib eine Google-Bewertung

Fünf Minuten. Kostenlos. Und im Netz jahrelang wirksam — bei Suchmaschinen ebenso wie bei KI-Antworten, die genau solche Spuren auswerten.

5. Gib ein Testimonial mit Namen und Foto

Anonymes Lob überzeugt niemanden. Deine Erlaubnis, dich als Referenz zu nennen, ist für eine Selbstständige bares Geld wert.

6. Nenn Namen statt Kategorien

Nicht „such dir eine gute Webdesignerin“, sondern „ruf Kornelia an“. Konkretheit ist der Unterschied zwischen einem netten Ratschlag und einem Auftrag.

7. Sag nicht einfach ab — gib weiter

Eine Anfrage passt nicht zu dir? Dann antworte nicht „leider nein“, sondern „leider nein, aber sprich mal mit …“. Jede Absage ohne Namensnennung ist eine verschenkte Empfehlung.

8. Teile Wissen, nicht nur Sichtbarkeit

Welcher Fördertopf hat funktioniert? Welche Versicherung ist ihr Geld wert? Wer zahlt notorisch spät? Diese Informationen laufen in Männernetzwerken seit Jahrzehnten — bei uns viel zu selten. (Das Letzte gehört in den vertraulichen Kreis, nicht auf LinkedIn.)

9. Frag nach der Lieferantenliste

Wenn du Kundin oder Mitarbeiterin eines größeren Unternehmens bist: „Wie viele unserer Dienstleister werden von Frauen geführt?“ Diese Frage einmal gestellt zu haben, verändert die nächste Vergabe.

10. Kauf lokal und persönlich

Der Handwerksbetrieb im Ort, die Steuerberaterin zwei Straßen weiter, der Laden am Marktplatz. Dort landet dein Geld nicht in einem Konzern, sondern in einer Existenz, die du kennst.

Was das nicht ist: kein Mitleidskauf

Es geht nicht um Mitleidskäufe. Niemandem ist geholfen, wenn schlechte Arbeit aus Solidarität bezahlt wird — das schadet am Ende allen Unternehmerinnen, weil es genau das Vorurteil bestätigt, gegen das wir arbeiten.

Es geht um etwas anderes: Bei gleicher Qualität nicht dem Zufall zu folgen, sondern der Entscheidung.

Denn der Zufall folgt bisher fast immer denselben Pfaden. Wer schon bekannt ist, wird gefragt. Wer schon Aufträge hat, bekommt neue. Wir müssen diesen Kreislauf nicht bekämpfen — wir müssen ihn nur einmal anders anstoßen.

Und wenn es in meinem Gewerk keine Unternehmerin gibt?

Dann gibt es keine. Dann beauftragst du den Mann, der die Arbeit am besten macht — und hast trotzdem etwas gelernt, nämlich wo die Lücke ist.

Genau diese Lücken sind der Grund, warum es Verzeichnisse braucht. Sehr oft gibt es die Unternehmerin nämlich doch. Sie ist nur nicht auffindbar, weil sie keine Website pflegt, nicht bewertet wurde und in keinem Netzwerk steht. Wer nicht gefunden wird, bekommt keine Anfrage. Wer keine Anfrage bekommt, kann nicht gewinnen.

Deine Aufgabe für diese Woche

Nimm dir zehn Minuten und geh deine letzten zehn Ausgaben durch — geschäftlich oder privat.

  1. Bei wie vielen weißt du, wer dort entscheidet?
  2. Wo davon könntest du beim nächsten Mal bewusst anders wählen?
  3. Und wem schreibst du heute eine Bewertung, die du längst schuldig bist?

Mehr braucht es nicht für den Anfang. Zehn Minuten, eine Bewertung, eine bewusste Entscheidung beim nächsten Auftrag.

Damit wir einander überhaupt finden

All das funktioniert nur, wenn wir voneinander wissen. Wer nicht auffindbar ist, wird nicht empfohlen — und kann nicht beauftragt werden. Sichtbarkeit ist deshalb keine Eitelkeit, sondern Vertriebsarbeit. Mehr dazu hier: Sichtbarkeit ist keine Glückssache — sie ist eine Entscheidung.

Deshalb: Werde sichtbar. Und mach andere sichtbar.

Auf WiBnet.org stelle ich Unternehmerinnen mit ihrem Business vor — kostenlos, mit Vorstellung in den sozialen Medien und einem Backlink auf die eigene Website. Lies dich durch die Interviews, nutze das Verzeichnis als Einkaufsliste — und schick mir die Frauen, die dort noch fehlen.

👉 Hier gratis mitmachen

Jeder Euro ist eine Stimme. Lasst sie uns nicht verfallen.

Häufige Fragen

Warum sollte ich gezielt bei Unternehmerinnen kaufen? Weil Kapital und Aufträge sehr ungleich verteilt sind: 2025 gingen laut EY-Parthenon nur rund ein Prozent des Risikokapitals für deutsche Startups an rein weibliche Gründungsteams. Umsatz ist für viele Unternehmerinnen die einzige verlässliche Finanzierung — und über den entscheiden Kundinnen und Auftraggeberinnen.

Woran erkenne ich ein frauengeführtes Unternehmen? In dreißig Sekunden über das Impressum (Inhaberin, Geschäftsführung), über die Team-Seite (Frauen in Leitungsfunktionen, nicht nur in der Belegschaft) oder indem du direkt fragst, wer die Entscheidungen trifft.

Wo finde ich Unternehmerinnen in meiner Region? Über Unternehmerinnen-Netzwerke, die Arbeitskreise der IHK, die Anlaufstellen der bundesweiten gründerinnenagentur in allen 16 Bundesländern und über Verzeichnisse wie WiBnet.org.

Kornelia Exner: Unternehmerinnen-unterstuetzen-wibnet

Ist das nicht unfair gegenüber Männern? Nein. Es geht nicht darum, jemanden auszuschließen, sondern darum, überhaupt anzufragen. Beauftragt wird, wer die Arbeit am besten macht. Der Unterschied ist nur, dass Unternehmerinnen bei der Anfrage künftig mit auf der Liste stehen.

Was kostet ein Eintrag auf WiBnet.org? Nichts. Das Interview ist kostenlos, inklusive Vorstellung in den sozialen Medien und Backlink auf die eigene Website.

Kornelia Exner ist eine profilierte Unternehmerin aus Florstadt, Gründerin von kexDESIGN (seit 2000) und engagiert sich leidenschaftlich für die Sichtbarkeit und Vernetzung von Frauen in der Wirtschaft. Besonders im Rahmen ihrer Arbeit mit der IHK Business Women, der Vollversammlung der IHK Gießen‑Friedberg und als Mit‑Gründerin des Arbeitskreises Unternehmerinnen legt sie großen Wert auf drei zentrale Schwerpunkte:

Strategische Sichtbarkeit

Gezielte Förderung des Online-Marketing statt wildes Rumposten.
Strategische Verlinkungen über WiBnet.org.

Netzwerke für Wachstum

Aktives Mitglied der Business Women IHK und Mit-Gründerin und Leiterin des Arbeitskreis Unternehmerinnen (AKU) der IHK Gießen‑Friedberg.

Gründen lohnt sich…

FrauenVorbildUnternehmen Einsatz am Frauentag und am GirlsDay um das Thema in den Fokus zu rücken, sowie aktive Unterstützung der Angebote des BMWE für Gründerinnen.

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