Über uns wird entschieden – wenn wir nicht selbst am Tisch sitzen. Auch im Netz.

Es gibt ein Bild aus den USA, das ohne Bildunterschrift auskommt: ein Konferenztisch, lauter Anzüge, auf der Tagesordnung die Gesundheit von Frauen – und im Raum keine einzige. Man könnte es für einen amerikanischen Ausrutscher halten. Ist es nicht. Es ist die genaueste Beschreibung dessen, was überall passiert, wo wir Spaltung zulassen: Menschen entscheiden über andere, ohne diese einzubeziehen. Ohne sie überhaupt zu hören.

Und dafür müssen wir gar nicht über den Atlantik schauen.

Die Tische bei uns

  • Im 21. Deutschen Bundestag sitzen 204 Frauen unter 630 Abgeordneten. Das sind 32,4 Prozent – weniger als 2021 und deutlich weniger als der bisherige Höchststand von 37,3 Prozent. Gleichstellung ist eben kein Selbstläufer: Auf Fortschritte können Rückschritte folgen.
  • In den Rathäusern ist es noch drastischer. Schätzungen zufolge wird etwa jede siebte Gemeinde in Deutschland von einer Frau geführt – rund 13,5 Prozent. Fast 90 Prozent der kommunalen Regierungsverantwortung liegt bei Männern.
  • In den Gemeinderäten kreisangehöriger Gemeinden lag der Frauenanteil nach den Kommunalwahlen 2021 bei 28 Prozent – und je kleiner die Gemeinde, desto niedriger. In Sachsens Stadt- und Gemeinderäten waren es nach der Kommunalwahl 2024 sogar nur 22 Prozent.
  • In den obersten Führungsebenen der Privatwirtschaft: rund 28 Prozent Frauen.

Was daraus folgt, ist keine Theorie, sondern Alltag. Ein Beispiel aus Niedersachsen: In der Arbeitsgruppe „Gesundheit 2040″, die über die medizinische Zukunft des Landkreises Wesermarsch entscheidet, sitzen ausschließlich Männer. Kritisiert wird das vom Frauennetzwerk vor Ort – schließlich trifft das Klinik-Aus in Brake vor allem Frauen.

Kein Skandal, keine Schlagzeile. Einfach ein Tisch, an dem niemand gefragt hat, wer fehlt.

Und wir Selbstständigen?

Wir sind viele – und wir sind trotzdem zu selten sichtbar.

  • 34 Prozent aller Selbstständigen in Deutschland sind Frauen (Mikrozensus 2024).
  • In den Freien Berufen sind es sogar 54,9 Prozent der Neugründungen – mehr als die Hälfte.
  • Bei den Startups dagegen bricht es ein: Der Anteil der Gründerinnen liegt laut Female Founders Monitor 2025 bei nur noch 18,8 Prozent – erstmals seit Jahren rückläufig.
  • Und der Nachwuchs? 40 Prozent der männlichen Studierenden ziehen eine Gründung in Betracht – aber nur 21 Prozent der Studentinnen.

Es fehlt nicht an Können. Es fehlt an Vorbildern, an Netzwerken, an Sichtbarkeit. Was man nicht sieht, hält man nicht für möglich. Und was man nicht für möglich hält, versucht man erst gar nicht.

Das Netz ist ein Brennglas

Und genau hier wird es entscheidend: Was sich im Leben zeigt, wird im Netz wie durch ein Brennglas verstärkt. Die Benachteiligung endet nicht am Bildschirmrand – sie geht dort weiter, schneller, sichtbarer, dauerhafter.

Beispiel Wissen. In der deutschsprachigen Wikipedia handeln nur 18,8 Prozent aller Biografien von Frauen – bei über einer Million Einträgen. Der Grund ist naheliegend: Nach einer Erhebung der Wikimedia Foundation waren weltweit nur rund 9 Prozent der Beitragenden weiblich. Männer schreiben über Männer. Das ist kein böser Wille, das ist ein Kreislauf.

Und dieser Kreislauf hat Folgen, die weit über Wikipedia hinausreichen. Denn genau solche Datenbestände sind das Material, aus dem Suchmaschinen ihre Ergebnisse bauen und KI-Systeme lernen. Wenn jemand heute fragt „Wer ist Expertin für …?“, dann antwortet die Maschine mit dem, was im Netz auffindbar ist. Wer dort nicht vorkommt, existiert für diese Antwort nicht. Nicht, weil sie es nicht könnte. Sondern weil niemand sie eingetragen hat.

Beispiel Gegenwind. Der zweite Verstärkungseffekt ist unangenehmer. Eine Studie der TU München mit HateAid zeigt: Von den politisch engagierten Frauen, die digitale Gewalt erlebt haben, hat fast ein Viertel bereits Androhungen sexueller Gewalt erhalten. 66 Prozent der betroffenen Frauen schränkten daraufhin ihre Nutzung sozialer Medien ein und passten Ton und Inhalte an. 22 Prozent zogen einen kompletten Rückzug aus der politischen Arbeit in Erwägung – bei den Männern waren es 10 Prozent.

Bei jungen Frauen sieht es nicht besser aus: In einer Befragung von Plan International gaben in Deutschland 70 Prozent der 15- bis 24-jährigen Frauen an, in sozialen Medien Belästigungen erlebt zu haben.

Der Rückzug ist eine völlig verständliche Reaktion. Er ist nur leider genau die Falle. Denn ein Platz, den wir räumen, wird nicht freigehalten. Er wird besetzt.

Sichtbarkeit ist keine Selbstdarstellung. Sie ist Infrastruktur.

Und Sichtbarkeit heißt nicht, sich täglich in Kommentarspalten zu werfen. Es gibt einen ruhigeren, klügeren Weg:

  • Deine eigene Website ist der sicherste Ort im Netz. Sie gehört dir. Kein Algorithmus entscheidet, wer sie sieht, keine Plattform kann sie sperren, niemand kommentiert darunter.
  • Backlinks und Erwähnungen sind Fundamente. Je öfter dein Name und dein Thema an vertrauenswürdigen Stellen im Netz vorkommen, desto eher findet dich Google – und desto eher tauchst du in KI-Antworten auf.
  • Ein Interview ist ein Beleg. Es dokumentiert, dass es dich gibt, was du kannst und wofür du stehst. Dauerhaft. Auffindbar.
  • Jede Sichtbare senkt für die nächste die Hürde. Genau daran entscheidet sich, wer auf Podien landet, wer in Gremien berufen wird, wer den Auftrag bekommt.

Denn irgendwo sitzt gerade jemand am Tisch und fragt: „Kennt ihr eigentlich eine Frau, die …?“ Diese Frage wird heute meistens mit einer Suchmaschine beantwortet.

Deshalb: Werde sichtbar. Genau hier.

WiBnet.org ist dafür da. Hier bekommst du:

  • ein kostenloses Interview, in dem du erzählst, was du machst und warum
  • Vorstellung in den sozialen Medien – Reichweite über deinen eigenen Kreis hinaus
  • einen Backlink auf deine Website, der deiner Auffindbarkeit hilft
  • einen Platz in einem wachsenden Netzwerk von Unternehmerinnen, die sich gegenseitig weiterempfehlen

Kein Mitgliedsbeitrag, keine Abendtermine, keine Hochglanz-Voraussetzungen. Du musst nicht „groß genug“ sein. Du musst nur bereit sein, gesehen zu werden.

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Was jede von uns tun kann

Engagiert Euch. Nicht irgendwann. Im Arbeitskreis Unternehmerinnen der IHK, im Gewerbeverein, im Elternbeirat, im Gemeinderat. Die meisten dieser Tische sind erschreckend leicht zu besetzen – man muss nur hingehen. Demokratie ist kein Zuschauersport.

Seid laut für andere. Wenn Ihr in einem Raum sitzt, in dem jemand fehlt: sagt es. Beim ersten Mal, nicht beim fünften. Empfehlt Kolleginnen weiter, nennt Namen, schlagt Frauen für Podien und Gremien vor. Und wenn eine im Netz angegriffen wird: lasst sie nicht allein. Ein einziger sichtbarer Rückhalt verändert, ob jemand bleibt oder geht.

Wählt demokratisch. Und niemals faschistisch. Wer Menschen erst in Gruppen einteilt, um sie gegeneinander auszuspielen, wird ihnen niemals eine Stimme geben – er wird sie ihnen nehmen. Das trifft irgendwann auch die, die sich heute sicher fühlen.

Mein Wunsch

Das Gegenteil eines Fotos voller Anzüge ist nicht ein Foto voller Frauen. Das Gegenteil ist ein Raum, in dem gefragt wird, bevor entschieden wird. In dem Betroffene Expertinnen sind und keine Tagesordnungspunkte.

Diesen Raum bekommen wir nicht geschenkt. Wir bauen ihn. Sitzung für Sitzung, Eintrag für Eintrag, Empfehlung für Empfehlung, Stimme für Stimme.

Ein anderes Land ist möglich. 🤍

Du bist selbstständig und möchtest sichtbarer werden? Erzähl mir von deinem Business – ich stelle dich hier und in den sozialen Medien vor. Kostenlos.

Kornelia Exner ist eine profilierte Unternehmerin aus Florstadt, Gründerin von kexDESIGN (seit 2000) und engagiert sich leidenschaftlich für die Sichtbarkeit und Vernetzung von Frauen in der Wirtschaft. Besonders im Rahmen ihrer Arbeit mit der IHK Business Women, der Vollversammlung der IHK Gießen‑Friedberg und als Mit‑Gründerin des Arbeitskreises Unternehmerinnen legt sie großen Wert auf drei zentrale Schwerpunkte:

Strategische Sichtbarkeit

Gezielte Förderung des Online-Marketing statt wildes Rumposten.
Strategische Verlinkungen über das Online-Forum WiBnet.org. 

Netzwerke für Wachstum

Atives Mitglied der “Business Women IHK” und Mit-Gründerin und Leiterin des Arbeitskreis Unternehmerinnen der IHK Gießen‑Friedberg.

Gründen lohnt sich…

Einsatz am Frauentag und amGirlsDay um das Thema in den Fokus zu rücken, sowie aktive Unterstützung bei Angeboten des BMWK für Gründerinnen

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